Schlagkräftige Impulse für das Laufen
© Salzburg Marathon / Uwe Brandl
05. Apr 2017

Schlagkräftige Impulse für das Laufen

Drei Vorträge vom ehemaligen Salzburg Marathon-Sieger Karl Aumayr, Sportarzt Dr. Holger Förster und Diplomtrainer Johannes Langer bildeten die Höhepunkte eines informativen, unterhaltenden und stimmungsvollen Impulsabends im Wyndham Grand Salzburg Conference Center. Ganz nach dem Motto der vom 5. bis 7. Mai stattfindenden Lauffestspiele lautete die Botschaft an die dutzenden interessierten Zuhörer: „Get active!“ – Laufen als Teil eines aktiven, modernen Lebensstils.

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„Sieger denken anders. Das Prinzip des cleveren Laufens“ – Vortrag Karl Aumayr

„Zu sagen, Marathonlaufen sei einfach, zeugt von Respektlosigkeit der Herausforderung gegenüber und ist kontraproduktiv. Einen Marathon muss man clever laufen“, warnt Karl Aumayr. Der ehemalige Marathon-Staatsmeister muss es wissen, jahrelang war er der beste Langstreckenläufer im Bundesland Salzburg. 2015 – ausgerechnet bei seinem letzten Marathon mit leistungssportlicher Ambition – feierte er seinen größten Erfolg und erreichte die Ziellinie des Salzburg Marathon als Erster. „Wer einen Marathon läuft, betätigt sich nicht nur sportlich, er oder sie beginnt ein neues Leben. Das Leben eines Läufers. Läufer zu sein, bedeutet nicht einfach laufen zu gehen. Läufer zu sein ist eine Einstellung, die der Läufer jeden einzelnen Tag vorlebt. Läufer zu sein, bedeutet nicht die Jagd nach irgendwelchen Rekorden, sondern Freude an der Aktivität zu haben, dafür einzustehen und das Laufen als ein verbindendes Element zu sehen“, liefert der zweifache Familienvater ein emotionales Plädoyer fürs Laufen. Dass der Marathon in ihm nach wie vor enthusiastische Gefühle hervorruft, ist unüberhörbar: „Marathonlaufen bedeutet manchmal Leid, aber immer große Freude und es bedeutet, Ziele zu erreichen. Disziplin beim Laufen bedeutet Disziplin im Leben. Es gilt, Grenzen zu überwinden, Konflikte mit sich selbst und der Familie auszutragen. Wenn man aber Kompromisse eingeht und eine Leidenschaft für den Laufsport entwickelt und lebt, kann man das erreichen, was man erreichen will.“


Gesundheit durch Bewegung. Chronisch gesund oder was es zu beachten gilt – Vortrag Dr. Holger Förster

„Babys lernen laufen, nicht gehen. Mit natürlicher Neugier und großer Freude. Es ist unsere Gesellschaft, die von ihnen verlangt, das Ruhig sein zu lernen“, eröffnet Dr. Holger Förster seinen Vortrag. Der aus Osttirol stammende und in Salzburg praktizierende Kinder- und Sportarzt verdeutlicht damit zwei wichtige Aspekte. Erstens, Menschen sind dafür gemacht, zu laufen. Es liegt in ihrer Natur. Zweitens, regelmäßige Bewegung und ein aktiver Lebensstil sind chronisch gesund. Die Medizin legt fundierte Beweise vor, dass Laufen präventiv gegen zahlreiche schwere Erkrankungen im Laufe eines Lebens wirkt und gegen Übergewicht oder Bluthochdruck ankämpft. Außerdem fördert ein aktiver Lebensstil eine bessere Gehirnleistung, schützt vor Depressionen und hilft beim Stressabbau. Erlernte Beweglichkeit, bessere Koordination und ein kräftiger Körper halten im Alltag fit. „Laufen ist chronisch gesund! Wer regelmäßig läuft, passt seinen Lebensstil ans Laufen an und ändert sich als Mensch“, erklärt Förster, der selbst seit 44 Jahren läuft und als Masters-Athlet zahlreiche Erfolge gefeiert hat. Allerdings ist es essentiell, auf den Körper zu hören: „Infekte, Schmerzen oder Verletzungen zu ,überlaufen‘, macht einen Läufer chronisch krank, nicht chronisch gesund!“ Eine sehr wichtige Rolle spielen ausreichende regenerative Phasen, die Förster als „wichtigeren Bestandteil des Trainings“ als das Training selbst ansieht.


Marathon modern! Ein hoher Nutzen für Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden – Vortrag Johannes Langer

Im letzten Vortrag des Abends ging der erfahrene Diplomtrainer und Laufsport-Veranstalter Johannes Langer auf die richtige und zeitgemäße Vorbereitung auf einen Marathon ein. „Es gilt, einen individuell realisierbaren Trainingsplan zu erstellen, der konsequent und diszipliniert erfüllt werden kann. Das Ziel des Training ist es, wettkampfähnliche Belastungen und Situationen zu schaffen, um beim Wettkampf bekannte Muster abrufen zu können“, so Langer. Von dieser Ausgangsposition ausgehend empfiehlt der erfahrene Trainer ein differenziertes, abwechslungsreiches und alternatives Training, das gezielte Reizsetzung vorsieht, ausreichend Kräftigungsübungen umfasst und auf ausreichend erholsamen Schlaf achtet. Viele Läufer in der modernen Gesellschaft gehen Berufen nach, die sie zu stundenlanger Inaktivität zwingen. Dies hat nachhaltig Folgen für einen dynamischen Bewegungsablauf, weshalb Langer Aktivierungsübungen zum Start einer Trainingssession nahelegt.

Selbst wenn Laufen eine rein physische Aktivität zu sein scheint, ist das Mentaltraining ein Erfolgsgeheimnis: „Es ist unheimlich wichtig, die innere Stimme zu finden, die positive Stimmung verbreitet und optimistische Anweisungen gibt – im Wettkampf noch wichtiger als im Training. Das Vertrauen in sich selbst ist der Schlüssel. Die konsequente Arbeit im Training ist die Basis, die entscheidenden Vorgänge spielen sich beim Laufen, insbesondere beim Marathon, aber im Kopf ab.“