Es geht auch ohne!
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29. Mar 2016
Cornelia Förster

Es geht auch ohne!

Zeit anhalten? Geht am allereinfachsten, indem man sie nicht anhält! Rein in die Klamotten, Laufschuhe an die Füße und ab geht die Post. Leichte Beklemmung während der ersten paar Meter? Ok, der Auftakt war vielleicht ein wenig zu schnell, also werden Schrittlänge und Frequenz etwas zurückgenommen und bald beginnt ein bekömmliches Zusammenspiel zwischen Schritt und Atmung.

Plötzlich ist man nicht nur eins mit seinem Körper, sondern auch mit dem Weg, den man sich erläuft. Mit stetig wiederkehrendem Erstaunen erkennt man die Wechselwirkung zwischen Beinen und Kopf: Je automatischer die Beine das machen, was sie sollen, desto freier wird es in den oberen Regionen. Der Kopf wird leerer, das Herz voller.

Und das, auch wenn (oder vielleicht sogar: weil) es nicht polargesteuert und überwacht wird. Kein Riesenteil am Handgelenk piepst, keine digitale Anzeige ermahnt zu Weile oder Eile. Stattdessen geht der Blick in die Ferne und verliert sich an der Schönheit eines Gebirgsmassivs. Nicht die durchschnittliche Kilometerfrequenz ist im Fokus des Betrachters, sondern die wunderbar blühenden Blumen in einem Garten, an dem er gerade vorbeikommt. Erfüllung kommt aus der Tatsache, dass man sich unglaublich lebendig fühlt, und nicht, weil der Anhalteknopf im Ziel einen neuen persönlichen Rekord bestätigt.

Ist es nicht genial, wenn man auf die Frage „Wie lange hast du gebraucht?“ aus voller Überzeugung antworten kann: „Keine Ahnung!“?