Interview Dr. Holger Förster

Dr. Holger Förster - Der Mann für alle Fälle

Herr Förster, warum sollen die Läufer zu Ihnen kommen?

"Zu mir sollen alle Teilnehmer kommen, die Beschwerden haben. Seien es der Bewegungsapparat oder kleine Verletzungen, die schon zuvor aufgetreten sind so dass der Läufer sich unsicher ist, ob er an dem Lauf teilnehmen kann. Auch bei kleinen Infekten, bei denen nicht klar ist, ob ein Start beim Lauf in Ordnung ist. Zum Beispiel Läufer, die Medikamente nehmen, da diese das Herz belasten können.

Meine Meinung ist, lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig fragen. Ich kann kein Verbot aussprechen, nur Empfehlungen. Ob man dennoch an den Start tritt, bleibt jedem selbst überlassen."

 

Wann würden Sie den Läufern raten, den Start abzubrechen? Bzw. wann würden Sie einen Start beim Marathon nicht empfehlen?

"Mit einem akuten fieberhaften Infekt. Fieber bedeutet alles, was über 38 Grad ist. Auch dann nicht, wenn man Schmerzen im Bewegungsapparat hat. Sei es von einer Verletzung, oder Überlastung, alles was Schmerzmittel erfordert.

Dadurch wird die Muskulatur, die ohnehin schon überlastet ist, noch mehr gereizt. Durch das Mittel ist der Schmerz zwar unterdrückt, der Läufer selbst hat aber kein Gespür mehr wie viel Belastung gut ist. Zweitens haben diese Schmerzmittel Nebenwirkungen, die sich unter Belastung verstärken.

Natürlich fällt es schwer, aber bevor die eigene Gesundheit aufs Spiel gesetzt wird, ist es besser auf den eigenen Körper zu hören."

 

Was raten Sie bei höheren Temperaturen? Wie stellt man sich am besten darauf ein?

"Dieses Wochenende wird es Gott sei Dank nicht zu heiß werden. Ideale Temperaturen für den Läufer sind zwischen 11 und 15 Grad. Wichtig ist die entsprechende Flüssigkeitszufuhr. Das fängt vor dem Lauf an, dass man genügend hydriert. Also viel trinken, auch wenn man öfter die Toilette aufsuchen muss. Der Körper soll gut mit Flüssigkeit gefüllt sein, damit er Reserven für die lange Belastung aufbauen kann.

Während der Belastung sollte man im Prinzip alle 20 Minuten etwas trinken. Es sind genügend Verpflegungsstände auf der Strecke verteilt, die mit der richtigen Art an flüssiger Versorgung ausgestattet sind.

Der Durst ist ein schlechter Richtwert. Dieser fängt viel zu spät an, nämlich dann wenn der Körper sich bereits in einem Defizit befindet. Also besser früher, als später etwas trinken."

 

Sie sind eigentlich Kinderarzt. Wie sind Sie zum Marathon gekommen, sowohl als Läufer, als auch als Arzt?

"Meine persönliche sportliche Karriere hat schon im Kindesalter begonnen. So war der spätere Weg im Medizinstudium in Verbindung mit dem Sport immer selbstverständlich."