Ihre natürliche Bewegungsfreude

© Salzburg Marathon / Salzburg Cityguide

Ihre natürliche Bewegungsfreude

Kinder bewegen sich von Natur aus gerne und brauchen viel Bewegung für eine gesunde Entwicklung. Der spielerische Ansatz und die Vielseitigkeit der Bewegungsformen führen zu nachhaltigem Erfolg. Das A und O ist die Regelmäßigkeit.


Als 2019 bis zu 2.000 Kinder und Jugendliche beim Junior-Marathon im Rahmen der Lauffestspiele der Mozartstadt teilgenommen haben, wurden im Volksgarten sekündlich emotionale Augenblicke und herrlich-herzliche Augenblicke produziert. In den Jahren davor war das ähnlich und am 14. Mai 2022 wird es am Tag der „Bunten Sportpalette“ wieder genauso sein. Nicht nur gemessen am prozentuellen Anteil an der Gesamt-Teilnehmerzahl an Salzburgs größter Laufveranstaltung haben die Kinder und Jugendlichen bei den Lauffestspielen der Mozartstadt ein Stein im Brett.

Gemeinsam mit unseren Partnern ermöglichen wir jungen, bewegungsfreudigen Kindern und Jugendlichen einen einfachen und verlockenden Zugang zu einem Tag ganz im Zeichen der sportlichen Bewegung und garnieren diesen mit einer Teilnahme an den Bewerben des Junior-Marathons mit garantiertem, hohen Erlebnisfaktor. Warum Initiativen wie der Junior-Marathon, hinter dem dank gezielter Arbeit in der Vorbereitung viel mehr steckt als nur ein Lauftag, als Signal auf das gesunde Verhalten junger Menschen enorm wichtig ist, erklärt sich in der Tatsache, dass Bewegung für eine gute Entwicklung unerlässlich ist.



Wichtige Fragen und die Antworten darauf:

Warum müssen sich Kinder und Jugendliche bewegen?
„Sportliche Bewegung ist ein elementarer Teil der körperlichen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen“, erklärt Salzburg-Marathon-Veranstalter Johannes Langer, der auf fast vier Jahrzehnte Erfahrung als Lauftrainer zurückblickt. Auf der einen Seite ist Bewegung essentiell für die Ausbildung der motorischen Fähigkeiten und den guten Aufbau der Knochengesundheit. Langer beobachtet in der heutigen Zeit eine „Verarmung an Sinneserfahrungen, die für eine körperliche, intellektuelle und soziale Entwicklung aber essentiell sind“ als Gegensatz zu einem reichen Angebot an Konsum- und Freizeitmöglichkeiten. Auf der anderen Seite fördert Bewegung ab dem Kindesalter die Herz-Kreislauf-Gesundheit, stärkt die mentale Gesundheit und beugt zahlreichen Volkskrankheiten wie Übergewicht oder Rückenschmerzen vor. Langfristig schützt sie außerdem präventiv vor Herz-Kreislauf-Problemen, Krebserkrankungen und Diabetes.

Im Kindesalter legen wir den Grundstein für unser gesamtes Leben. Denn in diesen Jahren erlernen wir unsere Fähigkeiten, auf denen wir unsere Bewegungspalette als Erwachsener aufbauen. Dr. Holger Förster, Salzburger Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde sowie Sportmedizin, erinnert in einem RunUp-Artikel aus dem Jahr 2020 daran, dass damit nicht zu früh begonnen werden kann: „Es ist eminent wichtig, das Krabbelgruppen- und Kindergartenalter gut dafür zu nützen, die Freude an Bewegung zu etablieren und Potenziale auszuschöpfen, auf denen das ganze Leben aufgebaut wird.“ Anders formuliert: Was im koordinativen Bereich im Kindesalter verabsäumt wird, kann im Erwachsenenalter nicht oder nur mehr zu einem kleinen Teil nachgelernt werden. „Die Grundlagen dafür, wie Bewegung ablaufen muss, werden im Kindesalter als Schablonen im Kleinhirn abgelegt. Wird diese Chance genutzt, hat man alle Voraussetzungen für einen bunten, aktiven und gesunden Lebensstil.“ Fazit: Für eine gesunde Entwicklung junger Menschen ist Bewegung ein unerlässlicher Baustein – bei de facto null Risiko.


Warum ist bereits das Kleinkindalter das richtige, um Bewegung zu fördern?
Sportliche Bewegung, insbesondere die Laufbewegung, liegt uns Menschen im Blut. Es macht per se keinen Sinn, unser Potenzial und unsere Stärken auszubremsen. Kinder haben ein natürliches Aktivitätslevel, gibt Förster zu bedenken. Sprich: Kinder brauchen Bewegung, als Stillen eines Grundbedürfnisses. Kleinkinder sind oft zu beobachten, dass sie fast alle Wege im Laufschritt oder im flotten Gehschritt zurücklegen und das gemütliche Gehen erst später erlernen.


Wie sollen sich Kinder und Jugendliche bewegen?
Vielseitigkeit und Abwechslung – das sind die entscheidenden Stichworte beim Bewegungsverhalten von Kindern und Jugendlichen. „Gerade für unsere Jüngsten braucht es ein vielseitiges Angebot, um die Vermittlung sensomotorischer Fähigkeiten abzusichern“, betont Langer. Während bei kleinen Kindern das spielerische Entdecken im Vordergrund steht, spielen erste Wettkampfvergleiche und Mannschaftssportarten bei Heranwachsenden eine immer größere Rolle und komplettiert die Sporterfahrung. Langer sieht Anreize in den emotionalen Komponenten und unterstreicht die Freude am Sich-Messen. Auch das Sozialverhalten durch sportliche Bewegung nimmt einen höheren Stellenwert ein, je älter die Kinder sind.

Bei Klein-, Kindergarten- und Grundschulkindern sind die Eltern und weitere Betreuungspersonen gefordert, den Rahmen für ausreichend spielerische Bewegung zu gestalten. Koordinative Spielübungen Fangen- oder Suchspiele fördern Ausdauer und Koordination. Ganz wichtig: Der Spaß muss immer im Vordergrund stehen! Das verspricht, dass Kinder eher beim Sport bleiben und eine Basis für einen aktiven Lebensstil bilden. Und das ist wichtig, denn Bewegung wirkt schon bei kleinen Kindern stressreduzierend, fördert ihre Balance und führt langfristig zu höherer Schlafqualität.

Die Leichtathletik bietet mit ihrem natürlichen Programm vieles, was ideal für Kinder ist. Laufen, springen, werfen sind wichtige Elemente des natürlichen Spielens. Ausdauerbasiertes Laufen ist eine einseitige Belastung für Kinder und Jugendliche, die nicht nur eintönig ist, sondern wirkt auf den Entwicklungsprozess junger Menschen punktuell ein. Daher ist der spielerische Ansatz im Vereinstraining oder im kindlichen Laufen in der Freizeit genauso wichtig wie die kurzen Laufdistanzen, die bei den Lauffestspielen der Mozartstadt angeboten werden. Die ganz Kleinen laufen eine rund 500m lange Runde, die Grundschulkinder rund 900m und die Größeren rund 1.800m.


Wie lange sollen sich Kinder und Jugendliche bewegen?
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Kindern und Jugendlichen eine tägliche Bewegungszeit von 60 Minuten im moderaten bis intensiven Bereich plus dreimal wöchentlich intensive aerobe Aktivitäten zur Stärkung der Muskulatur und des Knochengerüsts. Unter Fünfjährige sollen idealerweise ab Beginn der Mobilität täglich drei Stunden lang physisch in Bewegung sein. Bei spielerischer Bewegung können sich kleine Kinder übrigens nicht überlasten, sie haben einen natürlichen Schutz davor, da die Skelettmuskulatur schneller ermüdet und eine (kurze) Pause einfordert. Die schlechte Nachricht: Nicht einmal 20% der Kinder und Jugendlichen weltweit erfüllen den von der WHO empfohlenen Bewegungsumfang.

Zum Vergleich: Die Erwachsenen sollen 150–300 Minuten moderater bis intensiver, aerobischer Bewegung pro Woche absolvieren: „für substanzielle gesundheitliche Vorteile.“ Außerdem zweimal wöchentlich Kräftigungsübungen. Die WHO empfiehlt physische Bewegung unabhängig von Alter, Geschlecht, kulturellem Hintergrund oder sozioökonomischen Status für alle.


Welche Initiativen starten Laufveranstaltungen?
Praktisch alle Laufevents in Österreich und in Europa haben Angebote für Kinder und Jugendliche. Meist sind es emotionale Laufbewerbe kürzerer Distanzen am Vortag oder Vorfeld des Hauptlaufs. Auf Basis einer Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen und Vereinen versucht der Laufsport nicht nur sein Angebot, sondern auch seine Kompetenz mit der Zielgruppe zu teilen. Alles gipfelt in einem ereignisreichen Kinder- oder Jugendlauf, bei dem der Spaß für die meisten im Vordergrund steht.

In Großbritannien hat sich die Initiative der Daily Mile entwickelt – jeden Tag bewegen sich Schülerinnen und Schüler eine Meile lang. Das Projekt läuft auf der Insel sehr erfolgreich und streckt seine Fühler in andere Länder aus. In Wien unterstützt der Vienna City Marathon die Aktion seit gut zwei Jahren. Die Lauffestspiele der Mozartstadt arbeiten seit vielen Jahren mit Schulen zusammen, die am Junior-Marathon teilnehmen. Sportstudentinnen und Sportstudenten setzen mit den Kindern und Jugendlichen sportwissenschaftlich erstellte Bewegungseinheiten um. Die Nachwuchsläufe der Lauffestspiele sind in ein umfassendes Sportangebot im Volksgarten eingebettet, der „Bunten Sportpalette“. Hier präsentiert sich auf der Bühne des Laufsports die bunte Vielfalt des Sports. „Jede der angebotenen Sportarten spricht andere Fähigkeiten an. Ganz egal, ob es um basismotorische oder spezifische koordinative Fähigkeiten und Techniken geht“, erklärt Lauftrainer Johannes Langer, warum ihm ein möglichst breiter Mix an Sportarten bei einem Laufevent so wichtig ist. Die Kinder und Jugendlichen profitieren von der einmaligen Möglichkeit, an einem Nachmittag, an einem Ort unterschiedliche Sportarten und Bewegungsformen auszuprobieren.


Macht regelmäßige Bewegung Kinder schlau?
Die positive Auswirkung regelmäßiger sportlicher Betätigung auf Kreativität, kognitive Fähigkeiten des Gehirns, auf Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfähigkeit sowie besserer Gedächtnisfunktion sind sportwissenschaftlich bewiesen. Das gilt für Erwachsene genauso wie für Kinder, umgemünzt auf kind- und jugendgerechte Bewegungsformen. Es gibt auch etliche überzeugende Studien, dass Kinder mit bewegungsreicher Freizeit in der Schule Vorteile haben. Dr. Förster ist überzeugt davon: „Die Schulen müssen erkennen, wie wichtig ein entsprechendes Maß an sportlicher Bewegung für die Gesamtentwicklung des Kindes ist. Bewegung ist keine verlorene Zeit, sondern führt ganz im Gegenteil zu besserer Aufmerksamkeit und Konzentration.“



Es ist sehr zu befürchten, dass Bewegung im durchschnittlichen kindlichen und jugendlichen Alltag der letzten beiden Jahren zu kurz gekommen ist. In der modernen Zeit ist das Bewegungsverhalten von jungen Menschen großteils vom Bewegungsangebot an Schulen und organisiertem Sport in Vereinen abhängig. Beides war temporär gar nicht oder ansonsten oft nur eingeschränkt möglich. Dass das gesamte Bewegungsbedürfnis im privaten Umfeld kompensiert wurde, ist offenkundig nicht realistisch. Auf der anderen Seite gibt es genügend besorgniserregende, wissenschaftliche Befunde, wie sehr die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen sich in den letzten beiden Jahren verschlechtert haben. Hier ist ein entschlossenes Gegensteuern notwendig. Die Lauffestspiele der Mozartstadt werden ihrer Verantwortung nachkommen.

Etliche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Fachleute haben sich in den letzten Wochen öffentlich für die Devise stark gemacht, in der postpandemischen Phase Kinder und Jugendliche an die Spitze der gesellschaftlichen Prioritätsliste zu setzen. Bei den Lauffestspielen der Mozartstadt schenken wir den Bedürfnissen junger Menschen hohe Aufmerksamkeit. Der 14. Mai steht mit der „Bunten Sportpalette“ inklusive des Junior-Marathon ganz im Zeichen der Bewegungsfreude des Nachwuchses.


Tipp: Der RunUp-Podcast zum Thema „Bewegung bei Kindern und Jugendlichen“ mit Dr. Holger Förster und Johannes Langer