Mental Health: Laufen als Lösungsansatz

© Salzburg Marathon / Salzburg Cityguide

Mental Health: Laufen als Lösungsansatz

Mental Health ist mehr als ein Modewort, es hat zentrale Bedeutung erlangt. Denn schlechte psychische Gesundheit hat sich zum breitflächigen Problem in unserer Gesellschaft entwickelt. Ihr psychisches Wohl ist angeknackst. Das Laufen bietet effektive Lösungsansätze. Diese sollte der Laufsport nun aktiv erklären und betonen. Die Lauffestspiele der Mozartstadt tun das und setzen im Jahr 2022 einen gezielten Schwerpunkt.


Die nackten Zahlen einer aktuellen österreichischen Studie sind ein tiefsitzender Schock. 62% der weiblichen und 38% der männlichen Jugendlichen leiden an depressiven Symptomen. 20% bzw. 14% würden gar regelmäßig suizidale Gedanken im Kopf haben. 1.500 14- bis 20-Jährige nahmen an der im Dezember veröffentlichten Studie von Christoph Piel von der Donau-Universität in Krems teil und lieferten den drastischen Befund.

Um einen Vergleich zu ziehen: In der HBSC-Studie von 2018, die vierjährlich aktualisierte größte europäische Kinder- und Jugendgesundheitsstudie, wurde für die österreichischen Daten eine Studie des Wiener Kinder- und Jugendpsychologen Michael Zeiler zitiert, die 80% einer vergleichbaren Jugendgruppe absolute psychische Gesundheit zuschrieb. Im Eingangssatz der auf der Website des Bundesministeriums für Soziales und Gesundheit einsehbaren HBSC-Studie ist zu lesen: „Psychische Gesundheit ist Voraussetzung als auch Ergebnis einer gesunden Entwicklung von Kindern und Jugendlichen und einer hohen Lebenszufriedenheit.“


Ein dramatisches Phänomen

Laut einer 2021 veröffentlichten OECD-Studie sind junge Menschen gegenwärtig um rund 80% stärker von Depressionen und Angststörungen, die auf die Pandemie-Reaktion zurückzuführen sind, betroffen als ältere. In einer Analyse 17 systematischer Reviews aus Tausenden wissenschaftlichen Befunden und von vier NGO-Berichten schätzte ein Befund der University of Oxford im Herbst 2021, dass bei fast vier von fünf Jugendlichen eine Verschlechterung der psychischen Gesundheit festzustellen ist.

Das heißt jedoch nicht, dass die belastende Zeit seit März 2020 an den Erwachsenen und deren psychische Gesundheit spurlos vorbeigegangen ist. Einen ersten Befund zur Verschlechterung des gesellschaftlichen Mental Health lieferte die Abteilung für Public Health der MedUni Wien bereits im Mai 2020. Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Sora kam im Herbst 2021 zum Schluss, dass 46% der Wiener Bevölkerung mit einer deutlichen Verschlechterung der psychischen Gesundheit zu kämpfen hat. Sie bezeichnete den Status quo von Mental Health als „die versteckte Pandemie“. Quantitative Globale Zahlen liefert eine im Oktober 2021 in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlichten Schätzung: 76 Millionen Menschen mehr leiden weltweit an Depressionen als es ohne Pandemie zu erwarten gewesen wäre.


Vorfreude auf das Comeback

Der zum Stillstand gebrachte, organisierte Laufsport in Österreich hat in den letzten Jahren mit der heimischen Laufszene mitgelitten. Dass das individuelle Laufen stets möglich war und jahreszeitenabhängig auch hoch frequentiert war, war positiv und hat vielen geholfen. Wir freuen uns, dass das organisierte Laufen in Österreich im Herbst sein Comeback gefeiert hat und dieses Comeback wird im kommenden Frühling noch stärker ausfallen. Denn die in wissenschaftlicher Theorie dokumentierten Vorteile des Laufens auch auf die psychische Gesundheit finden bei den Lauffestspielen der Mozartstadt die idealen Bedingungen für Effekte in der Praxis.

Das Lauferlebnis in Salzburg, die gezielte und im Idealfall gemeinsame Vorbereitung darauf mit Laufpartnern aus dem Freundeskreis, aus der Familie, aus dem Sportverein oder aus dem Büro, versprechen ein Vergnügen zu werden, strahlen einen attraktiven Reiz aus und sind genau das Richtige nach den Beanspruchungen und Herausforderungen der letzten beiden Jahre. Sei Teil davon, wenn das Laufen 2022 wieder richtig „in“ wird.


Laufen ist eine Strategie der Balance

Denn neben den zum Einstieg genannten negativen Befunden gab es auch erfreuliche, die das Laufen betreffen. Etliche Umfragen und Befunde erkannten während der Pandemie einen Anstieg der Laufaktivitäten in Österreich und in ganz Europa, zumindest mit saisonalen Spitzen. Die Gesellschaft lernte das Laufen einerseits aufgrund der Natur dieser Bewegungsform und andererseits freilich auch aufgrund der eingeschränkten Freizeitgestaltung als wohltuend für eine belastende Psyche kennen. Als Beruhigungsphase, als Ablenkung und als Zeit für klare Gedanken und Einordnungen. Laufen ist eine Strategie der Balance, des wohltuenden Ausgleichs. Eine Strategie des Glücklicher-Seins.

Interessanterweise zeigt ein nicht repräsentativer Rundblick durch Berichte in der heimischen Medienlandschaft über die eingangs zitierten heimischen Studienerkenntnisse zur Entwicklung von Mental Health bei Kindern und Jugendlichen, aber auch Erwachsenen, dass der Bezug zu Sport und Bewegung, im Falle von Kindern simples Spielen, fast nie geknüpft wird. Und wenn dann nicht mit Fokus auf die gesundheitsfördernde Aktivität, sondern auf die sozialen Beziehungen, die natürlich auch wichtig sind. Ein Hinweis darauf, dass Sport und Bewegung in der Rubrik Gesundheit nach wie vor eine viel zu kleine Rolle spielt. Einen Fehler, den die Laufszene nicht macht. Bessere Gesundheit und besseres Wohlbefinden sind auf der Seite der Laufbegeisterten eines der stärksten Motive, regelmäßig zu laufen sowie eine der Hauptbotschaften auf der Seite der Eventorganisatoren.


Zehn Minuten Laufen für bessere Stimmung

Diese Assoziation ist auch so naheliegend, es gilt nur, die Puzzleteile zusammenzufügen. Dass Kinder und Jugendliche durch freies Spielen und regelmäßige sportliche Bewegung die Balance für ihr Leben und damit eine Entlastung für die Psyche finden, ist längst Wissen. Dass moderates, genussreiches Laufen die psychische Gesundheit von Erwachsenen fördert, ist ebenfalls Wissen. Regelmäßige Bewegung reduziert Stress, gibt Struktur im Alltag und sorgt für zahlreiche ausgleichende Prozesse im Körper, zum Beispiel beim Stoffwechsel oder im Hormonhaushalt. Außerdem wird die Aufmerksamkeit und Konzentration geschärft. Dazu kommen noch Folgeeffekte eines aktiven Lebensstils: besserer Schlaf, bessere Verdauung, ein stärkeres Immunsystem und niedrigere Entzündungswerte.

Dafür sind keinesfalls große Umfänge und schnelles Tempo notwendig, sondern ganz im Gegenteil. Unsere Psyche fühlt sich im gemütlichen Laufschritt am wohlsten und zieht die besten Effekte daraus. Ein aktueller Befund von Forschern der University of Tsukuba in Japan besagt, dass bereits nach zehn Minuten im Laufschritt eine Verbesserung des Befindens beginnt. Eine viel beachtete Studie französischer Forscher aus dem Jahr 2018 analysiert, dass eine Viertelstunde Laufen effektiver entspannt und die Stimmung verbessert als eine Viertelstunde Meditation.


Wir entdecken das Laufen wieder

Wir beim Salzburg Marathon sind bis unter die Haarspitzen motiviert, nach dreijähriger Pause in einer ganzen Aktivwoche vom 9. bis 15. Mai den Läuferinnen und Läufern wieder jene Bühne zu bieten, die das vollkommene Lauferlebnis für Körper und Geist ermöglicht. Wir geben euch schon im Vorfeld Orientierung, Zielsetzungen und Vorfreude und liefern Impulse, die die Motivation entfacht, regelmäßig die Laufschuhe zu schnüren. Nicht für uns, nicht um irgendeiner Verhaltensanleitung zu entsprechen, sondern alleine für euch und euer Wohlbefinden.

Mit der größten Aktivsportveranstaltung in Bundesland Salzburg, aber auch allen anderen Events, Initiativen und Lauftreffs, die der Club RunAustria in den kommenden Wochen und Monaten organisieren wird, bieten wir das Laufen endlich wieder als Teil der Lösung für einige der in letzter Zeit angehäuften Schwierigkeiten. Der Erlebnisfaktor beim Event, das gemeinsame Laufen und soziale Interagieren durch Laufen – es geht um das gemeinsame Wiederentdecken von Aktivitäten, Zielen und Träumen, die wir alle bis 2019 so geschätzt und auf natürliche Weise gelebt haben.


„Wir laufen – miteinander!“

Die Lauffestspiele der Mozartstadt wollen und werden einen ganz kleinen Beitrag für eine positive gesellschaftliche Entwicklung leisten und auch zu einer Verbesserung des kollektiven Mental Healths. Einen speziellen Fokus darauf verdient sich die jüngste Generation. Unsere bewährten Initiativen mit Schulen und Sportvereinen mit dem Ziel einer Teilnahme beim Junior-Marathon schenken wir 2022 eine besondere Bedeutung. Das gemeinsame Vorbereiten bei Schulstunden, das gemeinsame Hinfiebern und das gemeinsame Antreten beim Junior-Marathon, eingebettet in die „Bunte Sportpalette“ mit vielschichtigen Sport- und Bewegungsangeboten im Volksgarten, wird nach dieser schweren Zeit ein besonderes Erlebnis für Schülerinnen und Schüler. Die Betonung liegt dabei auf „gemeinsam“, denn Isolation und Einsamkeit waren der Hauptgrund für die Verschlechterung von psychischer Gesundheit, junge Menschen leiden naturgemäß stärker unter Einsamkeit.

Bereits im vergangenen Herbst lautete unser Motto beim Lauf.Sport.Fest.Salzburg: „Wir laufen – miteinander!“ Das ist die zentrale Botschaft des organisierten Laufsports für jene Phase, in der wir uns aus der Pandemie herausarbeiten.


Laufen führt zu Mental Health

Übereinstimmend sehen die Prognosen von Fachleuten in mehreren europäischen Ländern unter Analyse der Omicron-Variante eine zumindest wesentliche Verbesserung der Pandemiesituation ante portas. Dies befeuert einen leichten, aber bestimmten Optimismus der Laufszene. Das Laufen ist übrigens nicht nur ein Lösungsansatz für sinnvolle Freizeitgestaltung in den Frühling hinein, sondern – um zurück zum Thema Mental Health zu kehren – auch ein Lösungsansatz auf dem Weg zurück von schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen psychischer Natur wie mentale Erschöpfung. Auch hier ist die entspannende Wirkung der sportlichen Bewegung auf die kognitiven Fähigkeiten im Gehirn entscheiden, wie stellvertretend für andere eine kürzlich erschienene Studie deutscher Forscher der Universitäten in Köln und Dortmund bestätigt. Sie liefert ein weiteres Indiz dafür, wie wichtig Bewegung in Verbindung mit Mental Health geworden ist und zukünftig idealerweise sein wird. Dafür tritt die Lauf-Community ein.